On the Road again

On the road again

On the road again

… aber ich spür die vielen Tage zwischen dem letzten Weg 2017 und heute – vorallem in der rechten Ferse. Was soll das denn???? Ich wußte bisher gar nicht, dass es da was gibt das wehtun könnte!

Aber der Tag ist gut gelaufen. Am Morgen hat es schon so richtig in den Zehen gejuckt und wir sind für meine Verhältnisse schon megazeitig gestartet. Schon bei der ersten Steigung war ich unendlich dankbar für das leichte Gepäck. Warum ich es nicht endlich lerne Steigungen, wenn schon nicht zu lieben so doch wenigsten zu akzeptieren, weiß ich nicht. Da legt sich im Hirn ein Schalter um und ich werde richtig grantig. Sonst im Leben kann ich doch auch unangenehmen Situationen umgehen, aber das scheint so ein altes, festsitzendes Muster zu sein, dass ich nicht loslasse. Da hilft nur die imaginäre Stimme unserer supertollen Yogalehrer die sagt „geh durch, geh durch,…“ Das funktioniert,  ja eh super, aber ich wünsch mir ein frohes Herz dabei und nicht die Sonja-Grantnudel. Warum sind wir so gestrickt, dass es da in uns einen Schalter gibt, der uns steuert obwohl wir es im Kopf wissen, dass es unklug ist da nicht auszusteigen – wer da ein Rezept hat bitte schicken!!!! Und ich hab ja in der Schweiz ganz viel Gelegenheit zum Üben. Heute waren es gleich einmal 850 Höhenmeter und morgen legen wir, so Gott will, nochmals 400 drauf 😱.

Die Wetterfrösche haben uns ja heute ab 11 Uhr Gewitter und Regen prophezeit – aber doch bitte nicht mit Pilgern an ihrem ersten Tag. Zu Mittag sind wir in St. Gallen unter tiefschwarzen Wolken und Donnergrollen in der Ferne eingezogen. Von oben kommend haben wir schon gesehen: „ui, des zaht si“ Aber wir haben es trocken in die Kathedrale geschafft. Sepp und ich waren uns einig (und das passiert SEHR selten), dass uns die einfache Kirche in Untereggen besser gefallen hat als die so prunkvolle Kathedrale, die eher einem Museum als einer Kirche ähnelt. Als wir dann zu einer kurzen Rast in einer Gaststätte waren gab es einen ganz heftigen Regenguss. Nur um sicher zu gehen, dass Sepp sein neuer Regenponcho auch passt haben wir sie bei den letzten Tropfen eingeweiht. Nach einem netten Plausch mit einem Passanten der uns auf das Pilgern angesprochen hat, packten wir die letzten 10 km für heute an. Wunderschöne Wege, ungeliebte Steigungen aber liebe Menschen am Weg. Wir haben noch keine Pilger getroffen aber mit Sepp an der Seite kommt man mit sehr vielen Menschen ins Gespräch: der 81jährige Arlbergfan, die Fisolenpflückende Frau, das mit dem Fahrrad (hier heißt das Fahrrad „Velo“) ausgerutschte Kleinkind, der Straßenarbeiter, der pensionierte Gemeindearbeiter, der Junki und der Schnösi – von allem etwas und alle waren sie unendlich hilfsbereit.

Bis wir unsere heutige Bleibe endlich gefunden haben wurde die Option „noch 4km weiter?“ gar nicht mehr besprochen. Jeder Knochen im Leib hat geschrien „ich bin doch keine 30 mehr“. Ich sag’s euch ganz ehrlich: wir sind fix und fertig!!! Sepp schläft schon und ich erleb das hochladen der Fotos wahrscheinlich auch nicht mehr im Wachzustand …

Herisau, 2019-08-02, 26km, 850 Höhenmeter