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Alles gut!

Mein Gott wie hab ich das vermisst! Der Tag heute hat mir wieder mal bewiesen wie gut und richtig es ist mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Am Morgen hab ich mich schon gewundert wieviel Zeit ich mir genommen hab um mir in meinem wirklich tollen Appartement mit einem Bioparadeiser vom Markt und einer gestern vom Frühstück im Caffee übrig gebliebenen halben Semmel ein Frühstück zu zaubern und dann noch Blog zu schreiben. Endlich draußen sah ich den Grund: ein tiefschwarzer Himmel mit Donner und Blitz da hinten wo ich hingehen will. Aber irgendwie gelingt es bis auf ein paar Tropfen das schlechte Wetter vor mir her zu treiben.

Als ich verdächtig nahe komme lockt mich meine Genußsucht in ein Fischlokal – grandios sag ich euch. Von einem Buch habe ich gelernt beim Kellner, wenn er nicht aussieht wie ein Schlitzohr, so zu bestellen: „bitte suchen sie für mich einen für die Region typischen, ganz frischen Fisch aus. Muss nicht das teuerste sein, sondern soll der beste sein, den sie auch ihrem besten Freund empfehlen würden.“ … Mein Englisch dürfte gereicht haben, denn er hat mir erst was zum Kosten gebracht und mich gefragt ob mir die Würze schmeckt, danach dann eine köstliche Portion gegrillten Fisch mit einem Gemüse, das ich nicht identifizieren konnte, irgendwie Kraut-ähnlich.

Inzwischen hat es draußen geschüttet und ich bin dann trockenen Fußes weitergezogen. Dieser Weg ist anscheinend nur in deutschen Büchern beschrieben, denn alle die ich getroffen habe, haben deutsch gesprochen. Es sind eine ganze Menge Pilger unterwegs. Wir deutschsprachigen sind anscheinend Planungsmeister. Fast alle haben den Weg genau im Voraus geplant und teilweise sogar schon alle Übernachtungen gebucht. Da bin ich mit meiner Unbeschwertheit ein Unikat. Ich hab noch keine Ahnung welche Varianten ich gehen werde und wie meine Etappen sein werden. Es sind viele am Camino Portugiese unterwegs die zum ersten Mal pilgern, da ist man dann noch vorsichtiger, grad in den ersten Tagen. Ich hab mir vorgenommen diesmal gar nichts zu planen und mich treiben zu lassen.

Nach 25 km war ich zwar nicht müde, aber die schwarze Wolke vor und jetzt auch hinter mir war mir dann doch zu bedrohlich und beim Kaffee am Strand war der Campingplatz im Ort sehr nett beschrieben. Am Weg dorthin komme ich an einem kleinen Geschäft vorbei und muss hinein, denn davor steht eine Kiste Erdbeeren. Ihr wißt ja noch was das heißt. Natürlich muss ich im gehen noch naschen und ein Einheimischer spricht mich auf Portugiesisch an. Er erklärt mir mir Händen und Füßen, dass er schon 3 mal nach Santiago gepilgert ist. Seine Frau war nicht mit, weil sie’s im Kreuz hat. Aber sie ist eine ganz liebe gibt er mir zu verstehen. Wie ich dann meine Geschichte erzähle kommt sie dazu. Und weil sie mich die Erdbeeren naschen sieht, die ich natürlich auch den beiden angeboten habe, muss ich mit ihr hinters Haus in den Garten, wo sie mir ihre Erdbeeren zeigt, die aber noch eine Zeit brauchen werden bis sie reif sind.

Nun sitze ich vor meiner sauberen kleinen Hütte am überdachten Balkon am Campingplatz und schreibe im Trockenen, während es einen Meter vor mir so richtig schüttet. Gut das ich meinem Gefühl gefolgt bin. Den Nachbarinnen hab ich noch kurz Unterricht in Haushaltsführung am Jakobsweg gegeben: so wird Wäsche getrocknet Mädels (die beiden sind gemeinsam sicher 140 Jahre alt – und haben jede Menge Spaß am Leben).

Am Abend dann das nächste Geschenk. Eine ganz liebe Kärntnerin besteht mit mir die Mutprobe des Pilgermenüs – wir waren mutig aber davon würde es nicht besser. Um den Abend zu retten erzählten wir uns Geschichten von vergangenen Pilgerreisen und tranken unseren Wein genüßlich. Inzwischen verschwanden die anderen Pilgerinnen im Raum und der vorher unfreundliche Kellner lädt uns ein in den nächsten Raum zu gehen weil dort heute ein Fadoabend ist. Meine Pilgerfreundin meinte die Sänger seinen viel besser gewesen als die Vorstellung für die sie in Porto bezahlt hatte. Es wurde mitgesungen und den traurigen Liedern gelauscht – eben Heimatabend auf Portugiesisch. Welch ein Geschenk!
Bin gespannt auf morgen!

Portugal, Lavra 25km