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Alles gut gegangen

Heute ging es immer wieder steil bergauf – aber wir sind noch gemeinsam unterwegs (nur für jene die sich Sorgen gemacht haben wegen meiner Macke mit dem bergauf gehen). Die Belohnung war ein wunderbarer Höhenweg mit einer Landschaft zum Niederknien: der Wald gesund und kräftig, die steilen Wiesen so schön gepflegt, die Bauart der Holzhäuser beeindruckend. Von einer Wirtin haben wir erfahren, dass die Bergbauernhöfe hier sehr beliebt sind. Falls jemand verkaufen möchte kann er damit rechnen, dass es 10 Bewerber gibt. Das finden wir großartig! Es ist uns schon aufgefallen, dass sehr viel Wert darauf gelegt wird, Produkte aus der Schweiz zu verwenden und eingekauft wird im Ort – weitaus mehr als bei uns. Großmärkte findet man hier in der Gegend nur in Städten und auch viel weniger als bei uns.

Wir haben heute wiederum keine Pilger getroffen – keine Ahnung wo sich die verstecken. Aber dafür sind zwei Männer mit dem Hubschrauber zum Berggasthof auf einen Kaffee geflogen. Allerdings haben wir in Wattwil, einer Stadt mit ca.  8000 Einwohnern und viel Industrie, kein Quartier gefunden. Das einzige Hotel hat wegen Ferien geschlossen, so wie derzeit sehr viele Betriebe. Der Wanderführer sagt, dass zwischen dem nächsten Ort mit Quartier und uns 14 km liegen und die Alternativen in der Gegend sind bis auf eine Möglichkeit nicht sehr attraktiv. Zur Motivation geht es zuerst einmal ins einzige Caffeehaus in Wattwil um uns ein Abendessen zu organisieren. Aber auch da Niete – wir schließen in 20 Minuten und die Küche ist dicht, aber aus der Bäckerei  im Haus können wir uns noch was holen. Ich glaub der Kellnerin haben wir leid getan als sie uns auf unsere Nachfrage sagen musste, dass sie in der Stadt auch nichts weiß wo wir schlafen könnten. … und da setzt der Jakobswegmechanismus wieder ein. Sie kennt ein Gästehaus einige Orte weiter, aber halt leider in der falschen Richtung, aber gut mit dem Zug erreichbar. Zug und Schweiz ist eine Superkombi – fast jedes Nest ist mit Öffis gut erreichbar – nur drei Stationen. Nehmen wir und weil wir auf Booking.com sehen, dass noch was frei ist beschließen wir dort zu nächtigen. Kaffee bestellt und Nachspeise in der Bäckerei organisiert. Alles gut, denn wir haben noch etwas Jause und das reicht für heute. 2 Minuten später kommt die nette Kellnerin wieder und bietet uns an, dass ein anderer Gast den sie kennt und der aus diesem Ort ist, uns mit dem Auto mitnehmen würde – perfekt! Er erzählt uns, dass er für die EDV in einer Schule zuständig ist und heute ein Lehrer angerufen hat, dass er die Passwörter nicht mehr findet und er, unser Chauffeur, nur deshalb aus der Hängematte gestiegen ist um nach Wattwil zu fahren – großes Danke an den vergesslichen Herr Professor.

Jetzt sind wir gut im Gästehaus mit 24-h Check-in Automaten gelandet. Schon eigenartig wenn man mit seiner Kreditkarte fremde Häuser öffnet und sich in ein Bett legt ohne einer Menschenseele zu begegnen.

Übrigens wir haben unsere Pilgerpässe im ersten Hotel erhalten und zwei zur Reserve liegen daheim am Küchentisch 😉

Wattwil, 2019-08-02 nach 24,5 km und 1250 Höhenmetern