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Unendliche Weite

Nachdem um 3:50 Uhr ein Mähdrescher vor der Herberge mit seiner Arbeit begann bin ich gerne um 5:00 Uhr aufgestanden und bald losmarschiert. Ob ihr es glaubt oder nicht aber bis 10:00 Uhr war mir zeitweise richtig kalt, trotz Jacke. Diese Gegend hat eine sehr beruhigende Wirkung, außerdem bin ich heute nur ganz wenigen Pilgern begegnet.

Die Meseta bietet unendliche Weiten. Man sieht wirklich, wirklich, wirklich weit – rundherum. Nur Kornfelder, ab und zu ein Baum, ganz weit in der Ferne drehen sich eine Menge Windräder. Ich fühle mich in dieser Weite richtig wohl, da geht das Herz ganz weit auf und die Seele schwingt friedlich mit dem Wind mit. Es irritiert mich, dass der Reiseführer davon berichtet, dass diese Gegend vielen auch Angst macht. Ich frage mich, was mir die Sicherheit gibt mich hier so wohl zu fühlen. Ich denke es ist die Gewissheit, dass es da vorne etwas gibt für das es sich lohnt weiter zu gehen und das Wissen um meine Fähigkeiten, dass ich das auch erreichen kann. Ich kenne meinen Körper, meine Fähigkeiten und Grenzen nun recht gut und das hilft. Meine Vorliebe zu planen ist in diesem Fall mal hilfreich, denn so weiß ich was auf mich zukommt. Mit all diesem Wissen kann ich die Zeit bis zum Ziel genießen. Ich weiß, dass da vorne etwas oder jemand auf mich wartet. In meinem Fall ein netter Mensch der mir einen Kaffee verkaufen will. Im übertragenen Sinn heißt das für mich, dass wir lange Durststrecken besser meistern wenn wir erwartet werden. Ich erlebe gerade sehr stark dieses Gefühl und die daraus entstehende Kraft erwartet zu werden. Dabei meine ich ein „Erwartet werden“, dass keinen Druck ausübt oder Selbstzweck ist, sonder getragen ist von reiner Nächstenliebe, absichtslos und frei. In meiner realen Welt ist es bei mir meine Fmilie und Freunde die mich erwarten. Aber auch im religiösen, spirituellen Sinn kann ich mir sicher sein erwartet zu werden. Wär das nicht ein tolles Geschenk, wenn wir einen anderen Menschen erwarten, damit sie oder er gut durch die Durststrecken seines Lebens kommt. Wie schön kann dann die Meseta sein!

Nun wieder zu ganz Handfesten Dingen. Man sieht auch noch nach so langer Zeit immer noch etwas zum ersten Mal. Heute bin ich in einer Herberge mit einem Italiener der doch wirklich mit Bademantel am Jakobsweg unterwegs ist – und ich dachte schon ich sei was besonderes mit meinem XXL-Handtuch.

ESP Literieren. De la Vega, Samstag 24.7.2015 der Tag da Hl. Jakobus, 41 km