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The Final Countdown

Ja, nun habe ich nur mehr drei Tage vor mir – der Countdown hat begonnen! Noch zwei richtige Pilgertage und am Sonntag würde ich gerne schon am Vormittag in Santiago de Compostela ankommen. Ich versuche jeden Schritt ganz bewußt zu genießen und sehr präsent zu sein. Dadurch gehe ich anscheinend langsamer, denn ich brauche für weniger Killmeter länger. Aber wahrscheinlich werde ich mein Leben lang niemehr solche Wegstrecken so leicht bewältigen. Heute ging ich nach 34 km unter die Dusche und nach einer halben Stunde rasten ging ich noch 5 km zum Drüberstreuen um mir den Ort anzusehen. Der Körper ist gut trainiert doch der Geist fängt an zu motzen. Das ist ja ganz was Neues auf meinem Weg. So kurz vor dem Abschluss kommen so Gedanken wie „na geh, jetzt reicht es schön langsam. Das zieht sich, …“ Da es mir rasch auffällt kann ich meine Aufmerksamkeit auf die Gegenwart richten und meine Seele damit Stärken um den Geist wieder einzukriegen. Aber wenn ich mich an den letzten Teil in Frankreich erinnere, dann merke ich, dass das dort auch so war. Das hat dann dazu geführt, dass es die Vorfreude auf Spanien sehr verstärkt hat. Mal sehen ob das auch diesmal so wirkt.

Die Pilgerschar am Weg wird immer bunter. Es gibt heftige Diskussionen untereinander, wer denn jetzt ein RICHTIGER Pilger ist. Ist man das wenn man mindestens 300 oder doch 500 km gegangen ist? Muss man sein Gepäck selber tragen? Muss man zu Fuß gehen oder gilt auch Fahrrad fahren, und wenn schon, dann aber wenigstens rücksichtsvoll. Und wenn eine(r) keine Blasen gehabt hat, dann kann er ja gar nicht mitreden. Ohje, da oute ich mich besser nicht und gehe still weiter. Ich denke mir, dass  jeder der sich auf den Weg macht meinen Respekt  verdient. Aus dem Alltag auszusteigen um in sich hinein zu hören und der Spiritualität Raum zu geben lohnt sich in jedem Fall. Selbst jene die den Weg aus sportlicher Motivation beginnen begegnen sich und Gott ganz unweigerlich auf diesem Weg. Ich bin sogar überzeugt, dass es gar nicht für jeden passt den Jakobsweg oder einen anderen Pilgerweg zu gehen. Es kann jeder seine Möglichkeiten prüfen und dann frei entscheiden was das richtige ist. Aber jeder der nach Santiago aufbricht kann stolz auf sich sein zum Jahrhunderte langen Pilgerstrom zu gehören. Ich habe soviele am wirklichen Leben interessierte Menschen erlebt, so viele schöne Gedanken gehört und soviel Gefühle miterlebt – unabhängig von Alter, Nationalität, Stand und erst recht von zurückgelegten Kilometern!

ESP Palas de Rei, Donnerstag der 6.8.2015, 34 km
Fotos findet Ihr ganz unten.

The Final Countdown!