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Schiff Ahoi

Es ist uns nicht schwer gefallen unser Zimmer am Morgen zu verlassen und die Apotheke gegenüber vom Hotel auch nicht: Sepp wollte sich nur den Blutdruck schnell einmal kontrollieren lassen, aber das darf in der Schweiz nur die Frau Magister machen nachdem man 5 Franken bezahlt hat, außerdem soll er sich erst einmal 10 Minuten wo still hinsetzen. Sepp lehnt dankend ab und wir hoffen beide, dass es in Brunnen niemals einen Notfall gibt. Gut gelaunt und dankbar steigen wir auf das Schiff um den Vierwaldstättersee zu kreuzen, denn der Ausgangspunkt der heutigen Etappe liegt auf der anderen Seite dieses riesigen Sees mit seiner so eigenartigen Form. Weil wir schon einmal da sind nehmen wir noch die Standseilbahn auf den Seelisberg. Dadurch liegt unser Weg etwas höher als der Jakobsweg, was uns noch ein paar Höhenmeter mehr nach unten beschert – im Moment kein Problem aber am Abend haben wir sie in unseren glühenden Kniekehlen wiedergefunden. Die nächsten Stunden waren traumhaft schön obwohl es immer wieder einwenig geregnet hat und der Weg im Reiseführer für trittfeste und schwindelfreie Personen beschrieben ist. Ohne Wanderstöcke könnte ich hier nicht gehen.

Sepp hat eine Riesenfreude weil wir durch einen Wintersportort gewandert sind. Immer wieder sind wir ob der so regen Bautätigkeiten an jeder Ecke empört da werden Wohnungsklötze in die Landschaft gepflanzt, dass einem graußt  dabei stehen überall leere Wohnungen zum Verkauf und zur Miete – von den vielen alten leerstehenden Häusern ganz zu schweigen.

Der Abstieg zurück zum Seeufer war unser heutiges Highlight. Wir sind noch in eine kleine Kapelle und dann ein kleines Stück den Weg entlang, als wir bemerkten, dass wir wohl eine Markierung übersehen haben, weil es in die falsche Richtung ging.  Aber da vorne ist ein Wegweiser, zwar für Radfahrer, „aber wo man mit dem Fahrrad fahren kann, kann man auch gehen!“ dachten wir zumindest bis heute. Den Hinweis „nur für sehr geübte Fahrer“ hätten wir ernst nehmen sollen. Definitiv wissen wir jetzt, dass man nicht gehen kann wo wahrscheinlich todesmutige Mounenbiker sich hinunterwerfen – unglaublich und das Unwetter von gestern hat seine Spuren hinterlassen, die mir den Rest gegeben haben. Zum Glück habe ich bereits ein recht gutes Gefühl für meinen Körper und es ist absolut nichts passiert als es mich wie in Zeitlupe durch den Schlamm auf meinen Schuhen auf den Hintern setzt. Im mordssteilen Gelände kann ich unmöglich aufstehen  Sepp steht einige Meter unter mir und ich verbiete ihm sich zu bewegen – es reicht wenn ich voll Dreck bin und gefährlich wäre es auch da nochmals nach oben zu klettern – außerdem hätte er mir nicht helfen können. Aufstehen aus den Sitzen geht also nicht, der Rucksack ist da auch nicht gerade hilfreich, also beherzt in den Gatsch gegriffen, Rolle nach rechts in den Vierfüsslerstand und so komme ich wieder ins stehen. Nach oben zurück wäre nicht mehr gegangen, also blieb uns nur der Weg nach unten, sehr vorsichtig, hoch konzentriert und einen Rosenkranz auf den Lippen ging alles gut! Ja es war unvernünftig und riskant – Danke, dass es gut ausgegangen ist!!!

Bald waren wir wieder am richtigen Weg. Der Regen hat wieder begonnen uns so sind Schuhe und Regenschutz wieder sauber geworden. Eigentlich fühlten wir uns recht fit und sind dann doch weiter als gedacht gegangen. Heute haben wir wieder einige Pilger getroffen, doch Mann und Frau von der Straße sind Sepp die liebsten Gesprächspartner – bis sie einander verstehen dauert meist einwenig, aber schneller als wenn ich Handy raus/Mobile Daten ein/Mister Google frage – manchmal greife ich einwenig übersetzend ein um die Mundarten der hier lebenden Menschen mit der von Sepp zu verbinden.

Stans, unser heutiges Etappenziel, ist eigentlich eine große Stadt, also versuchen wir es nicht im erstbesten Quartier – was ein Fehler war. Hotels und Privat- und Pilgerquartier alle ausgebucht – keiner weiß warum. Nur im Motel an der Autobahn, dass das wir von weitem vor gut 45 Minuten gesehen haben, ist noch was frei. Wir nehmen aber den Bus retour, denn schlagartig fühlen sich unsere Körper beim Gedanken, den Weg wieder zurückzugehen, an, als wäre ein Traktor darüber gefahren. Wir freuen uns auf ein sauberes Bett und über die nette Rezeptionistin mit Verwandtschaft in Bad Ischl, die uns noch wichtige Tipps mitgibt, damit wir mit den vielen chinesischen Gästen im Haus gut zurecht kommen. Wichtig ist noch der Shop an der Tankstelle gegenüber um uns noch ein Abendessen zu organisieren zu einem Preis wo wir daheim gut essen gehen könnten – naja nicht ganz, das Sackerl mit den Chips ist noch übrig! Das Leben ist wirklich gut zu uns!!!

Stans, 2019-08-07, 23 km und ein Höllenritt