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Ritual zum Jahrestag

Mein Gott ist das schön wieder hier zu sitzen und in das Tablet zu tippen um bei euch zu sein. Genau heute vor einem Jahr bin ich von zu Hause aus losgegangen Richtung Westen um DANKE zu sagen für ein großartiges Leben. Ich habe mich damals so unendlich auf diese Zeit gefreut und wie schon so oft in meinem Leben hat mir mein Gottvertrauen geholfen, dass es auch so wird.

Nach dieser Zeit war es mir wichtig Rituale und Situationen in meinen Alltag einzubinden, die mich wieder an diese Kraftquelle erinnern und anschließen lassen. Ehrlich gesagt „ich bin echt stolz auf mich!“ Ich habe es geschafft mir Techniken anzueignen, die mich augenblicklich wieder in den Jakobsweg-Modus bringen: eine bestimmte Art tief einzuatmen mit einem Blick in die Ferne, so als ob ich oben auf einem Hügel stehen würde; oder ein paar Schritte in einem bestimmten Rythmus und Tempo mit der Trittfestigkeit die man nur hat, wenn man bereits ein paar tausen Kilometer gegangen ist; oder ein spannender Blick der nach dem nächsten Wegweiser / Zeichen Ausschau hält. Das sind meine alltagstauglichen Rituale die ich mir angewöhnt habe.

Aber ich habe mir auch vorgenommen größer, intensive wegmarkierende Rituale in meinem Leben zu setzen. Der Tag an dem ich gestartet bin ist der Geburtstag meiner Mutter und an diesem Tag möchte ich, wenn möglich, jedes Jahr von daheim aus nach Maria Taferl gehen. Ich hab mich so gefreut als Sepp gestern Abend entschieden hat mich zu begleiten. So sind wir heute Morgen gestartet – mit neuen Schuhen, einem kleinen Rucksack und wie immer bei mir, mit viel zu viel eßbaren im Gepäck. Das Weggehen hat länger gedauert als im Vorjahr. Ich kann nicht weggehen ohne vorher den Friedhof und die Kirche zu besuchen. Es hat mich betroffen gemacht wieviele liebe Menschen seit dem letzten Jahr nicht mehr unter uns sind. Tja und die Kirche war auch ganz schön leer, im Gegensatz zum Vorjahr. Ich habe mich wieder ganz intensiv an den Stein erinnert, der durch viele Hände gegangen ist bevor ich ihn am Cruz de ferro abgelegt habe. So vieles hat sich in diesem Jahr verändert, aber ich bin mir sicher, dass mein Stein noch dort liegt. Wie gut, dass es im Leben Dinge gibt auf die man sich verlassen kann.

Auch wenn wir uns gleich nach Kuffarn zum ersten Mal vergangen haben, sind wir doch sicher ans Ziel gekommen – kein Kunststück: wenn die Richtung stimmt, man trotzdem das Schöne sehen kann und jemand an der Seite hat, mit dem das Leben Spaß macht. Obwohl wir die letzte halbe Stunde des Weges noch von oben gebadet wurden sind wir gut gelaunt in Taferl angekommen. Nach einer Pause beim Aufstehen haben wir schon gespürt, dass das Training noch zu wünschen lässt. Einer meiner Lieblingssätze aus der Bibel „mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ hätte mir in der Praxis heute ziemliche Probleme gemachtt 😊.

Im letzten Jahr haben Sepp und ich beschlossen, dass wir heuer das letzte Stück des Weges von Santiago bis zum Meer nach Muxia gehen. In zwei Wochen sind wir bereits dort und ich freue mich schon so darauf mit Sepp an diesem Ort zu sein, der mich so sehr berührt hat. Viele von euch kennen das: es gibt Orte die kann man nicht beschreiben, die muss man erleben. Irgendwie hat diese Reise einen besonderen Zauber für mich. Ich freu mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten💃🏼.

Maria Taferl, Donnerstag der 14.4.2016, 26 km