image

Rekordstrecke

Nachdem das gestern so gut geklappt hat, hab ich für heute den Wecker gleich noch 20 Minuten früher gestellt, denn – warum auch immer – diese Zeit brauche ich am Morgen bis ich die ersten Schritte gehe, obwohl ich mir am Abend alles herrichte. Damit mich auch keiner übersieht schnalle ich mir in der ersten Stunde die Stirnlampe auf den Oberarm.

Nach den ersten 9 km gab es Frühstück, denn der Vermieter des gestrigen Quartiers lies es sich nicht nehmen mir einen Sandwich mitzugeben. Die Überraschung war groß als im Sackerl auch Kirschen, eine Birne, was zu trinken und zwei liebevoll verpackte Kekse zu finden waren. Dann ging es flott weiter und so war ich noch vor Mittag am Etappenziel, wo ich sogar noch die Heilige Messe mitfeiern konnte.

Ich hab beim Quartierbuchen für heute einen Fehler gemacht, weil ich einfach zwei Seiten überblättert habe. In Lectoure wollte ich eigentlich im Tourismus -Centre bitten das für mich zu stornieren, aber da ich schon so zeitig da war beschloss ich dem Hl. Antonius zu vertrauen, dass er einen guten Weg für mich findet um doch heute schon nach Condome zu kommen. Ich bin für mich wahnsinnige 42 km gegangen und dann die 9 km mit einem Bus mitzufahren, der eigentlich andere Pilger abgeholt hat. Das ging aber nur, weil heute immer wieder einmal ein angenehmer Wind den Schweiß trocknete und somit kühlte. Ich hab auch Unmengen von Wasser getrunken. Aber nun bin ich zufrieden und müde am Ziel angekommen. Hier in der Stadt ist die Hitze noch schlimmer und heute hab ich leider keinen Ventilator im Zimmer.

Kann es sein, dass ich mit der Zeit undankbar werde? Die Gegend hier ist wenig abwechslungsreich und ich tu mir mit zunehmender Hitze auf den vielen Asphaltwegen schwer den Weg wirklich schön zu finden. Ich kann noch immer diese kleinen Oasen entdecken und mich daran freuen, aber ich frage mich ob es am Weg oder an der Übersättigung mit schönen Orten liegt, dass die Begeisterung für die Landschaft nicht recht aufkommt. Sogar die Touristenwerbung beruft sich in diesem Teil von Frankreich auf kulinarische Genüsse und diesen besonderen Schnaps hier aus der Gegend.

Zum Abschluss möchte ich noch eine Erfahrung mit euch teilen: der Rosenkranz kann auch wie eine Droge wirken! Wenn ich bei gefühlten 38 Grad zu beten beginne, dann muss ich gestehen, dass das recht wenig mit Glauben und Spiritualität zu tun hat. Ich hab einfach bemerkt, dass ich so durch eine Strecke gehen kann auf der ich sonst aufgeben würde. Das Wiederholen beschäftigt den Geist damit der Körper einfach durch diese Situation hindurchgehen kann. Mir hilft’s – ich werde mal die anderen fragen, wie sie das machen.

FRA Condome, Sonntag der 5.7.2015, 42 km