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Regen am höchsten Punkt am Jakobsweg in der Schweiz

Der Morgen begann mit dem Pilgerstempel im Kloster Einsiedeln. Ich hab meinen Dank über den so persönlichen Pilgersegen ausgedrückt und die Dame hat sich über meine positive Rückmeldung sehr gefreut. Das wird erst seit kurzem so gemacht. Auf den Bildern habt ihr gesehen, dass der komplette Klostervorplatz neu gemacht wird = 3 Jahre Baustelle. An den Materialien sieht man: hier baut man für die Ewigkeit.

Beim Schreiben des letzten Satzes bin ich ca. 3x eingeschlafen, was wohl daran liegt, dass ich vom schnellen Marschieren hundemüde bin. Wir haben es geahnt, dass es heute regnen wird. Die ersten beiden Stunden waren gutes Wetter und wunderschöne Landschaft. Dann 2 Stunden bei starkem Regen gefühlt senkrecht auf das Hagenegg. Ein junger Mann aus Perg ist seit fast vier Wochen unterwegs und ist uns bergauf davongedüst. Oben angekommen hat die Sonne die Wolken aufgerissen und uns den Blick auf zwei Seen freigegeben. Wunderschön der Abstieg! Im Ort Schwyz machen wir einen Rundgang durch den Fabriksverkauf der Fa. Victorinox (Schweizer Taschenmesser) ohne was zu kaufen. Nach einer Stärkung auf der Bank vor dem Einkaufszentrum und dem nachmagazinieren neuer Stopplen auf Sepps Wanderstöcken starten wir noch einmal durch um Brunnen zu erreichen.

Mit einem Mal wurde es aber sowas von schwarz am Himmel, dass uns Angst und Bange wurde. Es war wie der Weltuntergang. Da kam ein Sturm – unvorstellbar. Wir gingen gerade an einer Wohnhausanlage vorbei, weil wir den markierten Jakobsweg schon weiter vorne verlassen hatten, denn das es nochmals regnen würde war klar – aber sowas!!! Ich leitete bei der erstbesten Klingel und sagte nur, dass wir zwei Pilger sind und ob man uns die Türe öffnen könnte, damit wir uns im Stiegenhaus unterstellen können. Die Frau war hörbar verdattert öffnete uns aber sofort die Türe. So einfach kann Hilfe sein – großes Danke für diese Geste, ohne nachfragen, ohne zögern.

Es wurde nach 20 Minuten zumindest wieder so, dass wir uns wieder hinausgetrauten – aber ehrlich gesagt nur bis zur nächsten Bushaltestelle. Die letzten beiden Kilometer sind wir gefahren.

Im erstbesten Hotel von dem ich im Reiseführer gelesen hatte, haben wir nachgefragt wegen eines Zimmers. Es ist zwar schweineteuer aber wir nehmen es. Als uns die Dame dann über den Hinterhof schickt, an den Müllcontainern vorbei unser Zimmer mit Blick in die Küche des Hotels führt, platzt uns fast der Kragen. Wie kann jemand so viel Geld für so ein Zimmer verlangen? Aber es ist wenigsten sauber. Zum Trotz schlagen wir uns mit einem deftigen Abendessen mit Nachspeise den Magen voll und Sepp meint:“ Wie gut, dass wir so tolerante Kinder haben die gar nichts sagen, wenn wir ihr Erbe verblitzen!“

Aber es geht uns gut und jeden Tag sind wir aufs Neue unendlich dankbar, dass unsere Körper so mitspielen. Meiner hat da zwar leider etwas verwechselt, aber das ist mir ja nicht neu: normale Menschen bekommen beim Wander Blasen an den Füßen – ich bekomme sie im Gesicht: Fieberblase 🙈

Brunnen, 2019-08-06, 24 km gegangen und 2 km gefahren