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Ola Spanien

Nach all der Auftregung gestern war heute ein ganz normaler Pilgertag. Nach der lauten Nacht mache ich mich schon früh auf den Weg. Der Himmel hat viele dunkle Wolken aber irgendwie gelingt es mir mich den ganzen Tag gut durch zu schummeln. Immer wieder einmal ein paar Tropfen aber ich bin nicht richtig nass geworden.

Fit wie ich mich fühle wähle ich kleine Umwege die landschaftlich schöner sind: wunderbare flache Wege, unter blühenden Ginsterbüschen durch Hohlwege und auf Steinstufen am Wegrand, weil hier sehr schnell aus einem kleinen Weg ein Bachbett wird.

Mit einem köstlichen Omlett versetze ich meinem Körper den nächsten Eiweißschock – und mit diesem Turbo schaffe ich ganz leicht 38km.

Es geht durch die letzten portugiesischen Dörfern und mein Beruf schlägt auch hier durch. Als ich eine kleine Bergkuppe erreiche fällt mir ein besonders schönes Haus auf, dass da neben dem Friedhof steht. Ein fescher, sehr gut mit schwarzem Anzug gekleideter junger Mann eilt aus dem Haus und steigt in einen schwarzen Mercedes. Ein einfacher gekleideter Mann steigt in den schwarzen Kombi mit Aufschrift der vor dem angrenzenden Gebäude steht – aha, der Bestatter im Ort!

Noch einmal möchte ich meinen portugiesischen  „schönen Vormittag – Gruß“ anbringen, weil er mittlerweile echt gut einheimisch klingt und grüße eine alte Frau die da am Gehsteig geht. Sie ist schwarz gekleidet und trägt zwei Kerzen mit sich. Sie erwiedert meinen Gruß und beginnt sofort zu lamentieren. Ich begreife, dass sie auf dem Weg zum Friedhof ist. Die Glocken läuten. Wir kommen an einer Bank vorbei und die Dame deutet darauf und wir setzen uns. Sie lamentiert und weint und erzählt mir von der verstorbenen Person und was sie ihr bedeutet hat. Sie weiß ganz genau, dass ich ihre Sprache mit keinem Wort  verstehe oder spreche, aber das Herz ist mit dabei und versucht zu verstehen und zu trösten. Nach ein paar Minuten kehrt Ruhe ein. Sie blickt mir tief in die Augen die Danke sagen, wir umarmen uns kurz und jeder geht wieder seinen eigenen Weg weiter.

Die letzte Stadt in Portugal ist bald erreicht, hier ist heute Markttag – riesig! Über die berühmte Brücke in Valenca, die ein Symbol des Friedens zwischen den beiden Ländern ist, geht es nach Spanien. Auch Tui ist eine sehr alte Stadt, aber ich nehme mir nur kurz Zeit für die Kathedrale und gehe dann weiter um mein Ziel hier zu erreichen. Aber jetzt bin ich schon sehr hungrig und müde.

Spanien, O Porrino 38 km