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Morgens um fünf

Hallo meine Lieben daheim und anderswo! Als Pilgerin bin ich wieder zurück aber zum Einstieg muss ich gleich ein bisschen jammern. Also fünf Uhr morgens ist schon sehr zeitig, was allerdings nur ausgewiesene Morgenmuffel richtig beurteilen können. Außerdem hab ich erwartet, dass ich so ausgeruht total fit bin. Denkste – die Achilissehne zieht, die Fußsohlen brennen, das Knie schnackelt, … Was soll das denn? Aber mit jedem Schritt wird es besser, als es dann um 6 Uhr richtig hell wird (ja wirklich, es ist um 5 Uhr noch stockfinster)  geht es schon besser und im Laufe des Tages verfliegt wieder alles obwohl heute fast alles auf der Straße und in der Sonne zu gehen war. Es ist aber erst so gegen Mittag richtig heiß geworden aber ab nun gibt es mich ja mit Sonnenhut am Jakobsweg. Zum Glück gibt es am Weg immer wieder Felder die bewässert werden und noch mehr freut es den Pilger wenn die Leitung am Wegrand undichte Stellen hat. So gibt es ab und zu eine Gelegenheit sich kurz beregnen zu lassen.

Heute bin ich auch durch den wunderschönen Ort Auvillar gekommen. Dort habe ich heute besonders viel an all jene Menschen gedacht die diesen Weg so gut für uns PilgerInnen vorbereiten. Es müssen Tausende Menschen sein: die die Schilder anbringen und betreuen, jene die die Wege in Stand halten, Menschen die uns in ihren Häusern willkommen heißen, bis zu jenen die uns mit Reiseführern in allen Sprachen durch das Land lotsen. All jenen möchte ich Danke sagen, denn gemeinsam mit dem Heiligen Antonius (hab ich von Birgit gelernt) lassen Sie uns den richtigen Weg finden! Trotzdem sagen viele andere Menschen, dass wir einen Vogel haben.

Menschen
die den Jakobsweg gehen
haben einen Vogel
behaupten jene
die keinen haben
und froh wären
wenn sie einen hätten
um fliegen zu können

Ich liebe diesen Spruch, weil ich ihn so wahrhaftig finde. Genau das erlebe ich hier jeden Tag und frag mich sehr oft selber: hab ich einen Vogel! Ja ich hab einen, einen ziemlich großen sogar. Wie sonst könnte man erklären, dass man freiwillig auf soviel Bequemlichkeit verzichtet, bei dieser Hitze den ganzen Tag über marschiert, sein Hab und Gut für vier Monate auf dem Rücken trägt, usw. – aber es lohnt sich jeder Schritt, ob mühsam oder nicht, denn diese Erfahrung kann man nicht richtig beschreiben, man kann es nur erleben, vorausgesetzt man hat diesen klitzekleinen Vogel, denn ohne dem geht’s nicht  ;-).

Der Spruch ist übrigens von einem steirischen Pilgerkollegen legal gestohlen. Ein lieber Freund hat mich auf seine schöne Homepage hingewiesen (www.joglweg.at). Danke lieber Hans, dass ich deinen Spruch hier zitieren darf!

FRA Saint Antoine, Samstag der 4.7.2015, 30 km