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Jetzt aber auf nach Santiago

Heute hatte ich einen superguten Zug drauf. Am Morgen im Dunkeln hab ich mich gleich bei einem Spanier mit Taschenlampe angehängt. Wir konnten zwar kein Wort miteinander reden aber seine Lampe und meine Routine machten uns bis zum ersten Lichtstrahl zum perfekten Team.

Den Rest des Tages setzte ich einfach einen Schritt nach dem anderen ohne viel zu denken, denn dann komme ich am besten voran. Ein junger Mann aus Korea leistete mir Gesellschaft. Es war nett sich auszutauschen, doch als ich bemerkte wie ich in die Rolle der Ersatzmama rutschte ergriff ich schnell die Flucht. Meine Lernaufgabe daraus ist, das erst gar nicht zuzulassen. Wenn ich es rechtzeitig bemerke, dass ich Gefahr laufe eine Rolle zu übernehmen ohne mich bewußt dafür zu entscheiden kann ich aussteigen und brauch nicht davon zu laufen – was bei 36 Grad wesentlich weniger anstrengen wäre. Danke an diesen großartigen jungen Mann, dass er mir das wieder mal gezeigt hat. Mal sehen wie lernfähig ich bin.

Bei einer anderen Übung bin ich schon wesentlich besser: ich hab mir vorgenommen nichts, was mir nicht schmeckt, aus Höflichkeit aufzuessen. Dazu bot das heutige Pilgermenü bei zwei von drei Gängen ein hervorragendes Übungsfeld. Zufrieden und ohne unnötige Kalorien in mir gehe ich nun zu Bett.

Erwähnen möchte ich noch die Tatsache, dass ich hier in Santisago de Domingo € 3,– bezahlen mußte um in die Kirche zu kommen. Es fällt auf, dass diese Tatsache eine Kirche zu einem Museum macht und keine Spiritualität mehr spürbar ist, was gerade an diesem besonderem Pilgerort sehr schade ist. Denn die Legende vom Heiligen Domingo zieht viele Menschen an – schade, das ist nicht die Kirche von der ich träume sondern bestenfalls geschäftstüchtige Arbeitsplatzbeschaffung. Dafür würde ich mit einem reinigenden Gewitter entschädigt. Soviel Regen und kühle Luft hatte ich schon lange nicht am Camino.

ESP Santiago Domingo de la Calzada, Dienstag der 21.7.2015, 38 km