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Santiago trifft Fatima

Heute nur mehr ganz kurz, denn ich bin müde, glücklich und sehr satt an gutem Leben!

Ich mag Rituale und so mag ich auch mit meinem richtigen Santiago-T-Shirt einziehen. Aber das ist noch feucht. Aber was haben wir schon bei Oma gelernt wenn die Kleidung feucht und kalt ist, dann unter die Bettdecke damit – was heute völlig unnötig war, denn die Wäsche ist heute immer wieder nass geworden.

Der Morgen war nicht nur verregnet, es hat geschüttet wie aus Schffeln. Nicht nur einmal sondern immer wieder hat uns ein Guß überrascht. Anfangs war ich noch guter Dinge, dass ich mit meiner Technik und Erfahrung dem Regen aus dem Weg gehen kann. Als ich Pilger sah, die sich mit Regenhose, Gamaschen, Pelerine und Schirm bewaffnet in den Tag stürzten bin ich in die erste Bar abgebogen. Ein paar Mal bot sich ein dichter Baum oder ein Dachvorsprung an um sich unterzustellen und zu warten, aber an so einem Tag kommt für jeden der Punkt wo nichts mehr hilft, außer vielleicht Schokolade. Die Jakobsweglektion „Pausen machen für Fortgeschrittene“ stand heute am Programm. Es galt zu erkennen, dass das Leben selber manchmal Angebote macht für eine Pause.

Eigentlich müßte es hier Milionen von Schnecken geben, aber ich glaube die werden zu Hauf von Pilgern zertreten. Der Weg war heute unaufgeregt und wie schon beim letzten Mal wurde ich vor dem Ziel immer langsamer. Es war ein bisschen wie heimkommen. Wenn man die Stadt schon gut kennt ist es nicht mehr so aufregend. Fast vom Wind wieder getrocknet bin ich eingezogen in Santiago. Diesmal war es nicht so emotional wie beim ersten Mal. Erst in der Pilgermesse kamen dann die Gefühle hoch. Vorher noch hab ich mein Mannerschnittenritual vollbracht und mich fast eine Stunde lang für meine Compostela angestellt.

Die Pilgermesse hat mich wieder sehr berührt, auch die Rituale in der Kirche. Aber besonders schön fand ich es, dass ich an dem Tag in Santiago eingezogen bin, an den vor genau 100 Jahren in Fatima die erste Marienerscheinung stattfand. Das wurde auch hier in der Kathedrale gefeiert. Es war sehr verbindend zu wissen, dass das bei uns daheim, in Fatima mit dem Papst und hier in Santiago gleichzeitig gefeiert wird.  Gemeinsam mit mir sind heute 1020 Menschen hier angekommen.

Spanien, Santiago de Compostela 26km