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Im Kloster 

Das war heute zum ersten Mal ein Morgen, wo ich gedacht hab: „oh mein Gott, das kann nicht sein! Ich steh heute nicht auf.“ Seit langem tut wieder mal das ganze Gestell weh. Noch dazu haben wir das Frühstück abgesagt, weil wir wegen der Hitze ja zeitig Weg wollten. Da wir uns in den Kopf gesetzt haben heute Conques zu erreichen sind es viele Kilometer.

Nach einem schnellen Kaffee raffen wir uns dann doch auf und sind verwundert, dass es nach ein paar Schritten immer besser wird. Die Laune hebt sich, die Füße gehen schmerzfrei, die Eichen- und Maroniwälder sind angenehm kühl – zumindestdie ersten Stunden.

Nun sitze ich beim Kaffee und die Welt sieht nicht mehr ganz so rosig aus. Ich bin am Geschäft wo es Brot gibt vorbeigelaufen und mag nicht mehr zurück. Hier im Lokal gibt es erst in einer Stunde Mittag und bis ich im nächsten Dorf bin dauert es noch 2 Stunden und dann hat dort alles zu. Ach ja: meine schöne blaue Jausendose ist auch leer bis auf Schinken und einen halben Paprika.

Also gab es heute Eiweiß-Diät, denn im nächsten Ort war dann Siesta und dann war schon das Ziel in Sicht. Allerdings hat sich das heute sehr gezogen bis ich da war. Wir sind heute im Kloster mit ca. 100 anderen PilgerInnen untergebracht. Weil wir schon so weit herkommen brauchen wir auch nichts zu bezahlen. Das hatte ich auch noch nie. Am Abend war dann ein wunderschönes Chorkonzert in der Kirche. Während bei euch zu Hause Sonnwendfeuer brennen, haben sie hier extra für mich Mozart (Kyrie), Bach (Jesus bleibet meine Freude) und Schubert (Heilig) in deutsch gesungen – Gänsehaut und Freudentränen!

Der Feueralarm um 3.40 Uhr in Kloster und hundert aufgeschreckten Pilgern war weniger lustig, aber Gott sei Dank Fehlalarm und so hatten alle Pilger auf der Strecke ein Gesprächsthema.

F Conques, Samstag der 20.6.2015, 36 km