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Heimat spürbar

Ich sitze in einer Herberge die von einem deutschen Verein geführt wird und rund um mich sind viele deutschsprachige Pilger. In der großen Küche hatte ich Lust zu kochen und so riecht es jetzt fantastisch nach Fisolengulasch. Davon kann man ja keine kleine Menge kochen und so war viel zu viel im Topf. Sepp hat mich leider zu spät darauf aufmerksam gemacht, dass Fisolengulasch und großer Schlafsaal keine gute Kombination ist. Gott sei Dank haben die 5 Italiener aus dem Nachbarzimmer mein Angebot angenommen.

Das Wasser in Galicien schmeckt nicht mehr nach Chlor. Hier ist alles sehr grün und es gibt wieder Schatten und Berge. Die erste Stadt heute war Villafranca wo früher jene Pilger ihre Reise beendet haben die krank waren – daher nennt man diesen Ort auch das kleine Santiage de Compostela. Leider waren die vielen Kirchen im Ort noch geschlossen. Der Weg ging dann durch kleine einfache Dörfer wo ich reich entschädigt wurde, denn hier waren die Kirchen offen. Welche Freude hier kurz zu verweilen um zu beten und neue Kraft zu tanken. Die Herberge von heute ist neben der Kirche des kleinen Bergdorfes. Im Sommer Leben hier ca 200 Menschen, im Winter 14. Früher wurde hier jeden Abend mit den Pilgern Messe gehalten doch heute fehlt leider auch in Spanien der Priesternachwuchs. So gibt es nur mehr am Samstag eine Messe – erzählt mir der Hospitalero. Schade, denn in meinem Reiseführer steht es noch anders. Aber es wäre nicht der Camino würden wichtige Anliegen nicht erfüllt. Eine Gruppe von deutschen Pilgern kommt spät hier an um Morgen von hier aus zu starten. Ein Priesterstudent ist unter ihnen und hält mit einigen von uns eine Andacht.

Im gehen konnte ich heute beobachten, dass sich wohl doch einiges in mir verändert hat. Während es mir am Anfang z.B.  kaum möglich war gedanklich während eines ganzen Rosenkranzes bei der Sache zu bleiben  ist es mir jetzt möglich eine lange Zeit meinen Geist zum Schweigen zu bringen. Rasende Gedanken sind unbemerkt verschwunden und einer entspannten Klarheit gewichen. Vielleicht sind auch deshalb einige Falten verschwunden. Ich wünsche mir, dass es mir später gelingen möge an diese Erfahrung andocken zu können.

ESP La Faba, Montag der 3.8.2015, 33 km