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Es gibt wieder Berge

Das konnte ich mir ja nicht mal im Traum vorstellen, dass ich mich über Berge freue. Aber als heute in der Ferne die ersten Hügel auftauchten habe ich mich richtig gefreut. Ich hoffe ich erinnere mich daran wenn ich das nächste Mal wo hinauf schnaufe. Ihr seht ja an den Fotos, dass es in den letzten Tagen viele gerade Wege neben einer Straße entlang ging. Morgen erreiche ich dann Leon, wo ich schon sehr gespannt bin auf die Kathedrale, denn darüber hörte ich bisher total unterschiedliche Meinungen. Vorher habe ich noch eine Nacht in einer großen Herberge wo es hygienetechnisch heißt „Augen zu und durch“ aber dafür entschädigt die total entspannte Pilgerstimmung im kleinen Hof der Herberge. Es wird gekocht, Gitarre gespielt und gesungen, fürchterliche Blasen werden professionell versorgt und es herrscht ein fröhliches Gewusel – wenn nur die Leintücher und Polster im letzten Monat auch einmal gewaschen worden wären, dann wär’s richtig nett in unserem „6-er Steigerl“.

Nun wird die Vorfreude auf Santiago und dann auf daheim mit jedem Kilometer stärker. Ich kann mich sehr über dieses Gefühl freuen, denn es erwischt mich ganz unerwartet. Viele Gedanken wandern derzeit in einen gelingenden Übergang in den Alltag. Wie kann ich möglichst viele Erkenntnisse am Weg noch gut ankern, damit ich sie nicht vergesse? Wie gelingt es mir viel von den Erfahrungen in mein Leben nach dem Jakobsweg mitzunehmen? Das Blöde an einem erfüllten Lebenstraum ist, dass man sich ja nicht danach daheim ins Bett legen möchte und auf’s sterben warten möchte – also was kommt da noch? – auch diese Frage stellt sich, obwohl ich schon glaube, dass mir noch so einiges in meinem Leben einfallen wird.

Vor einigen Tagen habe ich am Weg eine Österreicherin getroffen die Pflegedienstleiterin in einer Einrichtung ist. Obwohl es mir in dieser Zeit am Weg sehr gut gelungen ist das aktuelle Tagesgeschäft meines beruflichen Umfeldes auch gedanklich gut abzugeben (weil ich es in den besten Händen weiß, die ich mir vorstellen kann) habe ich mich sehr darüber gefreut, dass ich im Gespräch mit dieser Frau sofort wieder Feuer gefangen habe für unsere Themen der Hospizbewegung. Es tut gut zu spüren, dass ich mich für mein Arbeitsfeld nach wie vor begeistern kann.

Eigentlich habe ich ja ursprünglich entschieden mit dem Zug nach Hause zu fahren, damit ich einen langsamen Übergang habe. Doch nun zieht es mich schon so sehr nach Hause, dass ich doch einen Flug nehme. Es ist mit dem Zug sehr teuer, sehr mühsam und vorallem dauert es sehr lange. Darum habe ich mit Sepp entschieden, dass er mich vom Flughafen abholt und wir uns irgendwo in Österreich noch ein paar Tage verkrümmeln, bevor es dann endgültig nach Hause geht.

Doch vorher habe ich noch einen einmaligen Weg vor mir mit ganz besonderen Momenten.

ESP, Dienstag der 28.7.2015, 36 km