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Einsiedeln – das Mariazell der Schweiz

Rapperswil könnte uns doch nicht halten und außerdem war Einsiedeln, unser heutiges Ziel, ja nur 14,5 km entfernt. Über das Bergerl dazwischen wollt ihr nichts von mir hören – wie eine Schnecke zog ich meine Spur. Aber erst ging es über den Holzsteg über den See. Eine Innschrift berührt und beschäftigt meine Gedanken den ganzen Tag „Verbindung als Vision“.

Sepp zur Freude kommen wir heute an einigen Christbaumkulturen vorbei und zum Glück arbeitet auch ein Mann in einer der Kulturen = Pause für mich. Beim steilen Aufstieg heute ist es aber recht still geworden; ich glaube fast, dass sogar Sepp einige Käferbäume übersehen hat.

Oben angekommen durften wir wieder einmal ein Stück vom Paradis erleben: eine Gaststätte – OFFEN – und mit einer traumhaften Gemüsesuppe. Es sind wirklich so oft die ganz einfachen Gerichte die nicht nur dem Magen sondern auch der Seele gut tun. Gestärkt und fast wieder frisch ging es weiter Richtung Einsiedeln. An manchen Stellen glaube ich es manchmal selber nicht, dass ich den Weg schon einmal gegangen bin. Ist es die beginnende Demenz oder war ich 2015 im Delirium als wir hier gegangen sind oder kann es wirklich sein, dass man/ich eine Sprungschanze übersehen habe???

In Einsiedeln angekommen beeindruckt uns das Kloster und die Basilika. Nach der Messe spendet uns ein Priester einen sehr persönlichen Pilgersegen, was mir viel bedeutet. Wir haben hier in Gedanken jene Menschen mit dabei die gerade eine schwere Zeit durchleben.

Wie so oft fügen sich die Ereignisse in einer ganz besonderen Reihenfolge. Kurz vor Einsiedeln wurde ein Unterstand zu einer Stätte wo die Menschen ihre mitgebrachten Steine und Kreuze symbolisch für ihre Sorgen ablegen. Ich habe diesmal keinen Stein mitgebracht weil ich mein Leben momentan als sehr sorgenfrei erlebe – ich hab einfach nicht daran gedacht. Beim Gehen habe ich darüber nachgedacht ob es denn wirklich nichts gibt das mir Sorgen bereitet. Ich hab alles was ich zum Glücklichsein brauche: eine großartige Familie, Freunde und Gesundheit. Nur ein Erlebnis der letzten Wochen ist mir eingefallen: da gab es eine Situation wo ich das Gefühl hatte, dass das Leben ungerecht zu mir ist, wo aber niemand daran Schuld hatte, eine Verkettung von für mich ungünstigen Umständen. Ich bin es gewohnt für die Rechte anderer Menschen einzutreten aber für mich nehme ich das eher nicht in Anspruch. Warum auch immer, diesmal war ich mutig und bin für mich eingetreten. Das ist dieser sorgenvolle Moment der mit heute eingefallen ist. War das richtig oder überheblich? Hab ich damit jemanden verletzt oder in Bedrängnis gebracht? Also doch ein paar sorgenvolle Gedanken. …….. und als wir zum Abendessen gehen rauscht ein Mail herein (ich lese kaum meine Mails in diesen Tagen): „wir haben eine Möglichkeit gefunden …“ Wie fein – es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, dass sich alles so gefügt und aufgelöst hat. Ich darf also auch mit 52 Jahren noch dazulernen, dass ich auch für mich eintreten darf! Mit der doch recht persönlichen Geschichte möchte ich uns allen Mut machen mit offenem Herzen dazuzulernen.

Im Hotel stellen wir fest, dass eine Autobusgruppe aus Klosterneuburg auch hier ist. Nachdem unsere Familie bereits in dritter Generation in Klosterneuburg einen Christbaumverkauf hat gibt es ausreichenden Gesprächsstoff.

2019-08-05 Einsiedeln, heute nur 14,5 km