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ein Jahr danach

Genau ein Jahr ist es her, dass ich in Santiago angekommen bin – und ich kippe auf unbeschreibliche Weise hinein in ein Gefühlschaos. Ich erwische mich wie ich in Gedanken immer den selben Weg rund um die Kathedrale gehe; wie ich diese Freude des Ankommens mit jeder Faser meines Körpers nachspüren kann. Da ist aber auch viel Traurigkeit, dass es bereits Vergangenheit ist.

Aber wenn man sich einmal auf den Jakobsweg eingelassen hat, dann klopft er immer wieder an. Kaum etwas erschüttert mich wirklich, denn was kann einem denn schon wirklich passieren – und wenn etwas passiert, könnte ich es ändern? Ich konnte die Regenwolke am Weg nicht verschieben aber ich hab einen Ort gefunden wo ich mich unterstellen und wärmen konnte. Mit dieser Erfahrung im Herzen lebt es sich einfacher – mit offenen Augen und einem offenen Herzen öffne ich die Tore der Gelassenheit in meinem Leben. Das kann dir keiner nehmen!

Ein Jahr danach ist ein guter Zeitpunkt um zu fragen „was hat sich geändert“. Als erstes fällt mir diese bereits genannte Gelassenheit ein. Dann fällt mir auf, dass ich kaum Angst habe Fehler zu machen – denn was soll mir denn passieren? Ich habe an Sicherheit und Vertrauen ins Leben gewonnen. Da wir ich zwar schon immer ganz gut unterwegs, aber seit meinem Jakobsweg hat sich diese Gabe mehrmals potenziert. Ich bin geduldiger geworden, vorallem mit mir selber.

Im Buch „Jakobsweg – und dann“ von Stefan Albus finde ich den Satz: „Der Jakobsweg ist wie eine Lupe für das Leben, Schraubenschlüssel für verklemmte Getriebe und frische Brise für verstaubte Gewohnheiten, Abschminktuch, Krawatten-Abschneider, Feuerzeug – und ein Freund, der im richtigen Moment „jetzt aber mal im Ernst“ sagt“ ….. dem ist nichts hinzuzufügen

Mit einer Flasche gutem spanischen Wein sitze ich an meinem Küchentisch, feiere das gute Leben mit mir und Proste euch allen, die mich auf meinem Weg begleitet haben, zu! Danke, dass ihr mir Kraft gegeben habt!

Maria Laach, 2016-08-09