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Die letzten 50 Kilometer

Es tut mir leid, dass es die letzten Tag keine Fotos gab. Anscheinend hab ich zu viel fotografiert und das packt das System nicht. Anfangs dachte ich es liegt am WLAN, dann ging das Laden trotzdem nicht, …. Aber ich glaube unser Technikmaster der Familie, unser Sohn Christoph, hat eine Lösung gefunden und so sollten die Fotos bald da sein.

Da der Wetterbericht mir kühles Wetter vorhergesagt hat könnte ich länger schlafen als sonst, trotzdem fällt es mir am Morgen am Schwersten. Da ertappe ich mich, dass ich in meinen Schlafsack hineinraunze „nur noch 3x“. Obwohl jetzt schon alles ganz automatisch abläuft. Das Morgenritual vom Öffnen des Schlafsackes bis zum Verlassen der Herberge dauert gerade mal 15 Minuten.

Doch sobald die Wanderschuhe geschnürt sind und der Rucksack am Rücken ist, ist auch die Vorfreude und Neugierde auf den Tag wieder da. Die Landschaft ist meinem Waldviertel recht ähnlich: Eichen, Birken und Milliarden von Brombeeren die niemals reif werden. Im Lauf des Tages kamen dann stark duftende  Eukalyptuswälder dazu.

Was nun am Weg spürbar ist, ist eine gewisse Hektik und Eile. Ich habe den Eindruck, dass Viele einfach nur schnell ans Ziel kommen möchten. Schade für jene Pilger die nur das erleben können und die Wegabschnitte wo so viel Kreativität und Lebensfreude sichtbar war versäumt haben. Erinnert ihr euch an die bunten Bilder und Steinmosaike, wo Pilger sich Zeit genommen haben um ihrem Sein Ausdruck zu geben.  Das Bedürfniss sich zu verewigen haben auch hier sehr viele, jedoch entspricht das nicht meinem Sinn für Ästhetik. Jedes freie Fleckchen auf Tafeln und Markierungssteinen wird vollgekritzelt.  Es fehlt mir der Anspruch etwas ausdrücken zu wollen. Wie wohltuend ist da z. B. ein persönliches kurzes Gebet oder eine Zeichnung zwischen den Namen.

Die Weisheit „der Weg ist das Ziel“ hat mich nie gänzlich überzeugt, denn ich genieße zwar jeden Schritt zum Ziel und weiß auch, dass es viel Schritte braucht um dort anzukommen,  aber immer freue ich mich auch auf das Ziel. Mir ist klar, dass ein Ziel besser erreicht werden kann, wenn ich die Schritte vorher auch sehr bewußt gehe. Ein Ziel wird unbedeutend wenn ich ganz schnell und einfach da bin. Auf diesen letzten Kilometern ist spürbar, dass für einige das Ziel das Ziel ist und nicht der Weg.

Ich möchte euch heute auch DANKE sagen für eure vielen guten Gedanken.  Ich glaube ja, dass ihr mich stückchenweise auch getragen habt, denn soviele Kilometer kann ein Körper mit Geist und Seele ja gar nicht alleine gehen. So können wir gemeinsam stolz sein auf das bisher geschaffte. Es überwältigt mich immer wieder wenn Christoph mir die Zahlen nennt wieviele Menschen meine Gedanken lesen. Es freut mich wenn euch meine Worte erreichen und berühren. Ein ganz besonderes Dankeschön auch an jene unter euch die mir persönliche Mails schreiben mit Gedanken und Wünschen. Die gedankliche Verbindung mit vielen von euch ist in den letzten Monaten oft stärker gewesen, als vorher, als ich noch daheim war. Einige die sonst gar nicht oft am PC sind haben regelmäßig gelesen. Die Qualität meines Weges spiegelt sich im Blog – Zeit haben um die richtigen Worte zu finden, den leisen Tönen zu lauschen. Nun ist meine Pilgerreise bald vorbei und unsere Beziehungen werden sich wieder verändern. Aber ich habe gelernt, dass Veränderung gut ist. Also wird sie uns auch diesmal weiter bringen.

Die vielen Menschen am Weg sind wie ein Training für mich. Wie gelingt es trotzdem meine Energie zu halten? Beobachten was hilft – z B. vertraute Gesichter, Blickkontakt, … Immer wieder faszinierend, dass uns der Weg immer auch die Antworten mitliefert.

So bin ich heute mit vielen anderen Menschen und Hunden ( je näher wir nach Santiago kommen umsoehr und umso kleiner werden die Hunde) in Arzúa angekommen

ESP Arzúa, Donnerstag der 7.8.2015, 30 km