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Die letzten 1000 geknackt

So viele Sonnenaufgänge wie in den letzten drei Tagen hab ich die letzten 10 Jahre nicht gesehen. Aber so ganz bin ich noch nicht an das zeitige aufstehen gewöhnt. Heute bei der Frühstücksrast nach den ersten 10 Kilometern wäre ich fast eingeschlafen. Da ich ja normalerweise ein Nachtvogel bin, geht das mit dem zeitig schlafen gehen auch nicht recht gut. Außerdem ist es hier bis 22:30 Uhr richtig hell und es wird erst um 5:30 Uhr etwas morgengrau. Die Sonne hab ich heute um 6:30 Uhr fotografiert. Darum muss ich mir den Weg am Morgen am Vortag gut einprägen damit ich dann auch richtig gehe.

Das mit dem Essen ist auch eine Umstellung. Nach den ersten Kilometern esse ich Brot, Wurst und Käse – also richtig deftig! Dann hoffe ich, dass ich unterwegs wo eine kleine, gekühlte Zuckermelone bekomme, denn die ist dann so um die Mittagszeit richtig gut. Das ist mit zwei Keksen genau das Richtige bei der Hitze. Mehr geht gar nicht. Dann ist der Hunger am Abend wieder da und ich hoffe, dass man mir nicht wieder frittierte Geflügelinnereien mit dem Salat oder sonst wo unterjubelt. Es ist unglaublich welche Mengen an Enten, Gänse und Hühnern hier in der Gegend verdrückt werden. In jeder Konsistenz und buchstäblich fast alles von diesen Tieren  – das muss man mögen! Doch grundsätzlich ist die Qualität des Essens sehr gut. Z.B. ist mir aufgefallen, dass es hier in den Gaststätten keine vorfrittierten Pommes gibt. Der Franzose läßt sich Zeit beim Essen, da macht es auch nichts wenn man länger auf das Essen warten muss. Auch nach dem Essen bleiben die Teller noch lange stehen. Ein Abendessen unter 2 Stunden gibt es praktisch nicht.

Die Bilder zeigen es, dass ich hier in einer tollen Weingegend unterwegs bin. Da hätte ich gerne jemanden an meiner Seite der sich mit diesen Weinen wirklich auskennt. So überlasse ich es dem Zufall was ich zu trinken bekomme und bisher war ich sehr zufrieden. Da kann anscheinend weniger schief gehen als mit dem Essen.

Die Hoffnung, dass ich mich an das Gehen in der Sonne gewöhne, hat sich bisher nicht erfüllt. Es braucht mehr Wasser, mehr Pausen und mehr Durchhaltevermögen. Heute hab ich schon einige Male sehr sehnsüchtig an daheim gedacht. In den Städten kühlt es auch in der Nacht kaum ab, darum versuche ich ab morgen wieder in kleinen Dörfern abzusteigen. Da ist es für mich allerdings schwieriger an ein Quartier zu kommen. Heute am Weg fand sich ein Hinweis, dass Santiago noch genau 1000km entfernt ist – „nur mehr“!

Meine liebe Freundin Birgit, ihr kennt sie ja schon, da sie ja ein paar Wochen mit mir in Österreich und der Schweiz unterwegs war, geht gerade in Tirol den Jakobsweg und schwitzt so wie ich. Seht mal welch schöne Bilder sie geschickt hat und den Spruch mag ich auch. In Tirol sind die Tafeln am Weg besonders schön gestaltet. Auch Christa, meine Begleitung in der ersten Woche, ist mit einer lieben Freundin zwei Wochen am Weg in Österreich und ich glaube die beiden frieren auch nicht gerade. Also aufpassen, der Pilgervirus verbreitet sich, Ansteckungsgefahr nicht ausgeschlossen!

FRA Eauze, Montag der 6.7.2015, 35 km

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