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Bericht Osterpfarrbrief 2016 Maria Laach

DER WEG DER DANKBARKEIT

Menschen
die den Jakobsweg gehen
haben einen Vogel
behaupten jene
die keinen haben
und froh wären
wenn sie einen hätten
um fliegen zu können

www.joglweg.at

Ich liebe diesen Spruch, weil ich ihn so wahrhaftig finde. Genau das habe ich auf meiner Pilgerschaft nach Santiago de Compostela jeden Tag erlebt und mich selbst oft gefragt: Hab ich einen Vogel? Ja, ich hab einen, einen ziemlich großen sogar. Wie sonst könnte man erklären, dass man freiwillig auf soviel Bequemlichkeit verzichtet, bei brütender Hitze den ganzen Tag über marschiert, sein Hab und Gut für vier Monate auf dem Rücken trägt, usw. – aber es lohnt sich jeder Schritt, ob mühsam oder nicht, denn diese Erfahrung kann man nicht richtig beschreiben; man kann es nur erleben, vorausgesetzt man hat diesen klitzekleinen Vogel – denn ohne dem geht’s nicht.  :)

Am 14. April 2015 habe ich mich von meinem Küchentisch aus aufgemacht, um 3000 Kilometer quer durch Europa zu marschieren. Im Alter von 17 Jahren habe ich von einem Priester erfahren, dass es drei große Pilgerwege in Europa gibt – nach Rom, nach Jerusalem und nach Santiago de Compostela. Seit damals wusste ich, dass ich den Jakobsweg einmal gehen möchte. In vielen Gesprächen bin ich seit Jahren vehement dafür eingetreten, dass Menschen, die im Sozialbereich tätig sind, nur dann ihre Aufgaben gut erfüllen können, wenn sie auch gut auf sich selber achten. Um nicht unglaubwürdig zu werden, war es im vergangenen Jahr an der Zeit, mir meinen Jugendtraum zu erfüllen.
Der Grund meiner Pilgerschaft war die Dankbarkeit für ein gelungenes Leben. Ich wollte einfach einen Schritt vor den anderen setzen, um zu sehen, was das Leben für mich bereithält. Ich versuche die Eindrücke und Erkenntnisse dieser 4 Monate für mein Leben nutzbar zu machen und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht in Gedanken am Weg bin.
Diese Pilgerschaft lehrte mich, dass es hilfreich ist unbeirrbar die Richtung beizubehalten, auch wenn einem das Leben zu kleinen Umwegen zwingt, ist es wichtig, das große Ganze im Blick behalten und nicht an Kleinigkeiten verzweifeln. Auch wenn es manchmal steil nach oben geht, lohnt es sich durchzuhalten – die Aussicht belohnt jeden Tropfen Schweiß. Auch im Leben ist es so – oft ist es ein Ringen um Verständnis und Wertschätzung. In den Begegnungen mit den Menschen am Weg liegt eine unendliche Kraft. Die Parallelen sind unübersehbar: am Jakobsweg begegnen einem die unterschiedlichsten Menschen, doch egal welcher Herkunft, welchen Alters – man unterstützt sich gegenseitig auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel und jeder gibt je nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. So wünsche ich mir auch das Zusammensein in unserer Pfarre!
Am Weg orientiert man sich an dem, was uns am Weg begegnet. Sie glauben gar nicht, wie wenig man zum guten Leben braucht. Es lohnt sich innehalten, um wahrzunehmen, wohin uns die Sehnsucht in uns führt und zu erspüren, was wirklich wichtig ist. Hier wie dort erfahre ich wie wichtig es ist, starke Wurzeln zu haben, Wurzeln die einen tragen, wenn man an den Anstrengungen des Alltags verzweifelt. Die Rückbindung an Gott, an Vertrautes, an das Gefühl wo zu Hause zu sein, gibt Kraft für Neues. Daraus kann die Freude am Spontanen wachsen, es öffnen sich neue Türen und ein frischer Wind weht Lebensfreude um die nächste Ecke – egal ob in Spanien oder Niederösterreich.
Natürlich war der Weg ein Wagnis, vieles hätte schief gehen können. Doch manchmal muss man mutig sein und weggehen, um sich selbst und seinen Lieben näher zu kommen. Ich habe mich entschieden diesen Weg alleine zu gehen, um meinen eigenen Rhythmus wiederzufinden. Wenn nun wieder ein Termin den anderen jagt und sich die Aufgaben stapeln, dann hilft es mir sehr, mich wieder an diesen Rhythmus zu erinnern. Was bleibt ist die Dankbarkeit und so schließt sich der Kreis! Mein Glaube und die Liebe haben mich sicher an mein Ziel gebracht!

Osterpfarrbrief 2016 Pfarre Maria Laach

Danke für das viele positive Feedback!!!

….und ja, ich bin schon so oft gefragt worden ob ich nicht doch noch einen Vortrag über meinen Weg halte – ich denk darüber nach …

29. Februar 2016