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Dem großen Rennen entkommen

Am Gang der anderen Pilger kann man viel erkennen. Jene die es mit Leichtigkeit angehen, langsam gehen, stehen bleiben um zu schauen, um zu staunen, um zu kommunizieren,… .  Dann gibt es die Kämpfer, die mühsam einen Schritt nach dem anderen erkämpfen. Dann erkennt man auch jene denen offensichtlich etwas weh tut. Heute haben wir beim Kaffee in Sarria ein vor Schmerz gekrümmtes junges Mädchen an uns vorbeigehen sehen. Wir haben gerade über das Pause machen gesprochen und ich meinte noch zu einer Mitpilgerin, dass sie wohl eine Pause gut gebrauchen könnte. Nach wenigen Minuten kam sie wieder an unserem Tisch vorbei und auf die Frage einer Pilgerin ob alles in Ordnung sei brach sie in Tränen aus. „Einfach alles zuviel“ Wie oft im Leben merken die anderen schon lange, dass uns eigentlich alles zu viel ist nur wir selber glauben es geht schon noch. Aber wie lange? Bis uns jemand fragt und uns die eigenen Tränen plötzlich überraschen? Bis unser Körper streikt? Um diese Dinge sehr klar zu bekommen eignet sich der Jakobsweg hervorragend.

Heute waren schon viele Gedanken beim Einzug in Santiago de Compostela. Es fühlt sich so ähnlich an als wir als Kinder auf das Christkind gewartet haben. Da ich versuche zu untypischen Zeiten in den großen Orten zu sein und am Nachmittag lange gehe merke ich nicht so viel vom großen Rennen nach Santiago. Ich hoffe ich entkomme dem auch morgen.

ESP Ferreiros, Mittwoch der 5.8.215, 32 km