Badewetter – fast….(alles eine Frage der Einstellung)

Zu Mittag gehen wir in eine wunderschöne, menschenleere Bucht. Die Tradition erwartet, dass sich der Pilger im Atlantik vom Staub der Straße reinigt bevor er zum Kap geht. Dazu sollte man zumindest einmal ganz untertauchen. Das soll helfen, dass man nach der darauffolgenden Nacht als neuer Mensch erwacht. Da ich mir nicht sicher bin ob man nach einem Bad bei der Temperatur überhaupt noch erwacht, hab ich für mich beschlossen, dass es ein Fußbad mit Hand- und Gesichtswäsche auch tun muss.

Wir verbringen den Tag heute mit faulenzen, bummeln und bei der Fischauktion. Zu Beginn hat das bunte Treiben in der Fischhalle durchaus eine gewisse Faszination – doch so viele wunderschöne, tote Tiere zu sehen macht ein ungutes Gefühl und der Appetit auf Fisch vergeht uns dabei.

Zu Hause ist politisch die Hölle los und Sepp hat hier keinen g’scheiten Internetzugang. Meine Feststellung: „klar geht das hier nicht so gut, wir sind ja immerhin am Ende der Welt“ entlockt ihm kein müdes Lächeln sondern nur ein grantiges „wir sind nicht am Ende der Welt sondern am Ar… der Welt,“ Tja, das Leben kann schon auch grausam sein! Ich tu mir mit dem Mitleid da ganz schwer und lasse Sepp in seinem Unglück alleine. Mir ist noch nach einwenig Bewegung und ich gehe am Abend noch den 3 km langen Weg Richtung Leuchtturm.

Ich möchte das ganz letzte Stück dann morgen mit Sepp gehen. Aber wie es so meine Art ist, muss ich mein Ziel erst ein paar Mal umrunden, bevor ich es mir erobern kann. So auch heute! Trotzdem war der Moment sehr ergreifend für mich. Die Seele kann sich der Rührung nicht entziehen wenn man zum ersten Mal den Blick gegen Westen richtet und vor sich nur den Atlantik erblickt. Da steht die Zeit für eine Weile still! Ein heiliger Moment meines Lebens, an dem mir nichts anderes einfällt als zu beten. Ich genieße es, dass es schon so spät am Abend ist und kaum mehr Menschen am Kap Fisterra sind. Wie von selbst steigen drei Lieder in mir auf. Zuerst beginne ich zaghaft zu summen – „Großer Gott wir loben dich“ – doch DAS kann man eigentlich nicht summen, das muss man singen, auch wenn das stimmtechnisch bei mir nicht konzertreif ist. „Segne du Maria“ geht dann schon besser, auch wenn die Tränen kullern weil ich dabei an soviele liebe Menschen denken muss. Bei „von guten Mächten“ stimmen dann zwei deutsche Mädels ein die ich gar nicht kommen gesehen habe.

Der Gruß zwischen den Pilgern die hierher zu Fuß gehen, hat eine besondere Intensität. Es braucht nicht viele Worte um sich verbunden zu fühlen. Nach diesen Momenten ist der Rückweg ganz leicht, auch wenn es inzwischen schon dunkel ist – das werden wohl meine letzten Schritte am Jakobsweg sein, die ich alleine gehe. Über allem steht ein riesengroßes AMEN und DANKESCHÖN!

Spanien, Kap Fisterra,16 km