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Antivirusprogramm 

Die Nacht im Kloster war wieder eine Erfahrung mehr, denn nun merkt man, dass immer mehr Pilger unterwegs sind. Das Kloster hatte alle Plätze vergeben und da ich eine der letzten war die angekommen ist bekam ich die kleine aber feine Reservenische. Dort gab es zwar wenig Luft aber eine Steckdose. Das mit der Luft war heute Nacht egal, denn es hat am Abend so ein richtig schönes Gewitter gegeben und das hat superfein abgekühlt. Aber eine Steckdose für 10 PilgerInnen ist zu wenig und so haben sich einige den Wecker gestellt um die Geräte abwechselnd aufzuladen – Organisation ist fast alles! Ich muss nur noch lernen davon nicht aufzuwachen.

Heute bin ich des öfteren mal ein Stück mit einer größeren, international  zusammengewürfelten Gruppe von Jugendlichen mitgegangen. Sie treffen einander immer zu den Pausen und zum Übernachten. Diese Truppe ist herzerfrischend lustig, laut und bunt. Ein Geschnatter und Gejohle, dass einem das Herz aufgeht. Diese Erfahrung in jungen Jahren schon zu machen hat sicher eine ganz besondere Qualität.

In den Gesprächen ist mir folgender Vergleich eingefallen, den ich recht passend finde: Das Pilgern im Allgemeinen ist wie ein Antivirusprogramm das du über deine Festplatte des Lebens laufen lässt. Der Jakobsweg aber ist so, als ob du zusätzlich die Reset-Taste drückst.

Da meine Etappen nun schon regelmäßig recht lange sind, treffe ich selten auf die selben Pilger. Heute Abend hatte ich eine Begegnung der speziellen Art. Frisch geduscht und fröhlich sehe ich mich im Ort um und möchte einkaufen gehen, da ich wieder einmal selber kochen wollte. Da stackst ein junger Pilger auf mich zu und fragt MICH ob ich ihm nicht Rauschgift abkaufen möchte. Es hat eine Weile gedauert bis ich begriffen habe was er mir da auf Englisch erklärt hat, aber er war ganz höflich als ich dankend ablehnte. Belustigt und verunsichert darüber was ihn veranlasst hat mich anzusprechen schicke ich gleich mal ein Selfi zur Kontrolle nach Hause mit der Frage, ob ich denn schon so aussehe als würde ich Drogen nehmen ;-). „Alles ok“ bestätigt mir Chrisi. Also kaufte ich mir einen Schokoriegel und etwas Gutes zum Kochen – danach bin ich schon einwenig süchtig!

ESP Villafranca Montes de Orca, Mittwoch der 22.7.2015, 34 km