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Am 14.11. feiere ich meinen zweiten Geburtstag

Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich, denn heute von 25 Jahren habe ich meinen Knoten am Hals entdeckt und damit begann eine Zeit in meinem Leben die alles verändert hat. 25 Jahre wunderbare Jahre wurden mir geschenkt die heuer mit meinem Weg nach Santiago eine großes Dankeschön erfahren haben. Es ist schwer in Worte zu fassen was heute in mir vorgeht.

Ich sitze wieder mal an meinem Küchentisch, versuche mir und meiner Familie gutes zu tun indem ich uns ein gutes Mittagessen koche. Die Sonne scheint ungewöhnlich warm für einen Novembertag beim Fenster herein und taucht die Landschaft in goldenes Licht – so als würde die Natur mir ein ganz besonderes Geschenk machen.

Vorgestern durfte ich in meinem Vortrag über den Jakobsweg vielen Menschen über meine Reise berichten. Die Vorbereitungen dafür haben mich sehr berührt und ich bin wieder in alle Gefühle dieser Wallfahrt eingetaucht. Es war für mich interessant, dass es ganz anders ist vor eine großen Anzahl an Menschen über meinen Weg zu sprechen, als darüber zu schreiben. Obwohl viel mehr Menschen meine Worte lesen, als mit am Donnerstag zugehört haben, fällt es mir hier am PC viel leichter persönliche Gendanken zu formulieren. Ich habe mich im Vortrag beschränkt auf erlebte Geschichten weil es mir nicht gelungen ist persönliche Gefühle und spirituelle Gedanken zu formulieren.

Schon lange war ich nicht mehr so nervös als ich vor all diesen lieben Menschen stand, die gekommen waren um etwas außergewöhnliches zu hören, das für mich inzwischen aber ganz gewöhnlich geworden ist. Gewöhnlich im besten Sinn des Wortes: ich habe mich an die Erfahrungen dieser Zeit gewöhnt, so sehr gewöhnt, dass ich nicht bereit bin sie aufzugeben oder zu übersehen. Täglich schaffe ich Bezug zu diesen Erfahrungen. Ich bin es gewöhnt mein Leben zu genießen, dankbar zu sein für die Begegnungen und Geschenke des Lebens. Meine Seele ist es noch immer daran gewöhnt sich zu öffnen und dünnhäutig durch die Zeit zu gehen. Ich habe mich daran gewöhnt alles was mir begegnet zu hinterfragen, wie Gott das denn gemeint haben könnte.

So sitze ich heute hier, einen Tag nach den Anschlägen in Paris und verstehe die Welt nicht mehr. Wie kann Gott DAS denn gemeint haben? Was erwartet das Leben von mir, wenn tausende Flüchtlinge unterwegs sind? Wohin mit meiner Angst um meine Kinder, meinen Mann und jene Menschen die ich liebe? Wie gelingt es mir die Zuversicht höher als die Angst zu halten?

Fassungslos sehe ich die Bilder und frage mich wie es jenen Menschen geht die mir im Sommer so liebevolle Aufnahme in ihren Häusern gewährt haben. Was geht in unserer Gesellschaft vor, dass solche Dramen möglich sind und was kann ich als Einzelne tun damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert? Wie weit geht meine Verantwortung mit jedem Wort und jeder Handlung die ich setze?

Ich durfte erleben mit wie wenige materiellen Ressourcen es sich glücklich sein lässt, wie es sich anfühlt an meine Grenzen zu gehen und welche Kraft ich aus Beziehungen schöpfe und wie schön es ist gesund am Leben zu sein – möge es mir gelingen aus dieser Kraft heraus vertrauensvoll in die Zukunft zu gehen und zuversichtlich nach dem nächsten Wegweiser Ausschau zu halten.

Euch allen ein schönes Wochenende