IMG_6342

Ohne Padron keine Pimientos

Heute hat das mit dem durch den Regen schwindeln nicht geklappt. Gleich am Morgen schüttet es wie aus Schaffeln. Karawanen von mit Regenschutz vermummten Pilgern ziehen aus Pontevedra aus. Da sind viele die vor sich hingranteln und den eigenen „Mikrokosmos Regenpelerine“ stundenlange nicht durchbrechen.

Wie schon am Camino Frances haben die letzten 100 km vor Santiago eine ganz eigene Dynamik. Da sind große Gruppen von Rucksacktouristen auf Pilgerschaft die mit kleinen Tagesrucksäcken aber dafür größeren Muscheln unterwegs sind. Wenn man nur ein paar Tage unterwegs ist, ist der Regen natürlich noch ärgerlicher. Aber in Galicien ist das auch nicht anders zu erwarten. Besonders am Vormittag sind sehr, sehr viele unterwegs, was manche Bars an ihre Grenzen bringt. Da gehen schon einmal die Häferl aus…. egal wir trinken unseren Espresso auch aus Gläsern.

Man merkt auch, dass die Menschen hier zunehmend vom Wirtschaftszweig Pilger leben. Wir werden zu Einnahmequelle: professionelle Höflichkeit weicht mancherorts der herzlichen Gastfreundschaft. Manche empfinden die in Horden nach Norden ziehenden Pilger als lästig, z. B. werden sie angehupt wenn sie auf der falschen Straßenseite gehen.

Beim Frühstück treffe ich drei Mühlviertler die auch unterwegs sind und mich in ihre gemütliche Runde aufnehmen. Ihre Schilderung über den gutgemeinten aber sehr misslungenen Versuch das landestypische Essen, ein Eintopf mit gekochten Kutteln, Sauschädel und Innereien, schmackhaft zu finden, hat uns zum Lachen gebracht – aber das Bier schmeckt auch hier! Eine Etappe weiter treffe ich die drei wieder – auf der Suche nach einem guten Mittagessen!

Ich beschließe den Nachmittag lange zu genießen, denn da wird es wieder sehr ruhig am Weg. Ich freue mich, dass ich wieder zu meiner Trittsicherheit zurück gefunden habe. Die vielen Gatsch- und Wasserlöcher am Weg sind ein hervorragendes Training und das ohne Stöcke, denn die sind bei Regen hinderlich. Durch den Stockeinsatz läuft das Wasser die Arme hinauf und man ist schneller durchnässt. Ich weiß nicht wie oft ich heute den Regenschutz an- und ausgezogen habe. Mindestens 6x von total nass bis zu wieder trockengeblasen vom Wind. Es ging heute hindurch durch bezaubernde Wälder und Landschaften. Die moosbewachsenen Bäume faszinieren mich und beflügeln meine Fantasie. Feen und Gnome müssen hier zu Hause sein …

Den ruhigen Nachmittag habe ich bis 20 Uhr ausgedehnt und bin so 42 km gegangen. In alter Tradition habe ich wieder ein Foto gemacht beim 50er – Kilometerstein. Es war fein mein Leben zu resümieren während ein Kilometerstein nach dem anderen so wie meine Lebensjahre an mir vorbeizogen.

Am Abend bin ich glücklich und müde in Padron angekommen – das ist jener Ort, wo der Hl. Jakobus zu Lebzeiten gewirkt hat und wohin auch sein Leichnam auf einem Boot wieder nach Spanien an Land kam.

Von hier kommen aber auch meine heißgeliebten Pimientos de Padron: kleine gebratene Paprikaschoten mit groben Meersalz. Die kosten hier auch gleich mehr – mein Abendessen war eine echte Touristenfalle in die ich getappt bin!

Spanien, Padron 42 km